Waldschadensbericht der Bundesregierung
Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 1401 (Drs.13/4256) Wortlaut der Kleinen Anfrage 1401 vom 7. August 2003: Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Waldschadensberichts im vergangenen Monat hat Bundeslandwirtschaftsministerin Künast u. a. erklärt: "Das Waldsterben ist gestoppt. Wir haben den Trend umgekehrt". Ihr parlamentarischer Staatssekretär Thalheim spricht dagegen allenfalls von einer leichten Stabilisierung.
Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung: 1. Welche wissenschaftlich belastbaren Gründe gibt es für die Aussagen von Frau Künast? 2. Teilt die Landesregierung die Auffassung von Frau Künast? Wenn nein, warum nicht? 3. Wie bewertet die Landesregierung die Einschätzung des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium Thalheim zum Zustand des Waldes? 4. Wie ist die Waldschadenssituation des Waldes in NRW? 5. Kann auch hier von einer Trendumkehr gesprochen werden? Wenn nein, warum nicht? Antwort der Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 19. September 2003 namens der Landesregierung: Zu den Fragen 1, 2 und 3 Frau Bundesministerin Künast hat sich zum Abschluss eines Interviews in der „Welt am Sonntag“ vom 13. Juli 2003 zum Waldsterben geäußert. Darauf hat es Reaktionen und Nachfragen von Umweltschutzverbänden gegeben. Zwischenzeitlich wurden die Aussagen durch Sprecher des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft näher erläutert. Die Landesregierung teilt die Auffassung, dass das Anfang der 80`er Jahre befürchtete flächenhafte Absterben von ganzen Waldgebieten (Definition Waldsterben) nicht eingetreten ist. Obwohl der Ausstoß von Luftverunreinigungen deutlich verringert wurde, ist er - gemessen an der Belastbarkeit der Waldökosysteme - allerdings immer noch zu hoch. Dies gilt vor allem für die versauernd und eutrophierend wirkenden atmosphärischen Stickstoffeinträge. Zur Frage 4 Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten hat im Juli und August dieses Jahres an 525 Waldbeständen den aktuellen Baumkronenzustand erhoben. Diese Ergebnisse werden zurzeit zusammen mit forstmeteorologischen Messungen sowie Erhebungen über die Luftqualität und Schadorganismen im Wald für den 4. Bericht über den ökologischen Zustand des Waldes ausgewertet, der zum Ende des Jahres veröffentlicht wird. Die in Nordrhein-Westfalen in 2001 und dann erneut in 2002 festgestellte Erholungsphase und der Rückgang der deutlichen Baumschäden um insgesamt 6 Prozentpunkte beruhte hauptsächlich auf günstigen Witterungseinflüssen und dem Umstand, dass in den zurückliegenden Jahren der Insekten- und Pilzbefall kaum von Bedeutung war. Trockene Baumkronen sind die ersten sichtbaren Auswirkungen der diesjährigen extremen Hitzeperiode. Vorzeitiger Laubabfall ist zudem mit den sehr hohen Ozonkonzentrationen im Juli und August in Verbindung zu bringen. Trockenheit und Wärme haben außerdem die Entwicklungsmöglichkeiten für Borkenkäferarten (Kupferstecher, Buchdrucker, Nutzholzborkenkäfer) begünstigt, sodass ein erhöhter Befallsdruck festgestellt wurde. Umfassend und abschließend werden die Auswirkungen des heißen Sommerwetters und der hohen Ozonwerte auf den Wald erst zum Ende der Vegetationszeit, wahrscheinlich jedoch erst im Folgejahr erkennbar werden. In wieweit sich die Vitalitätsschwächung speziell durch die Einwirkung von Ozon manifestieren wird, ist noch nicht abzuschätzen. Zur Frage 5 Das in den 80`er Jahren prognostizierte flächige Absterben ganzer Waldbestände ist erfreulicherweise in Nordrhein-Westfalen nicht eingetreten. Es lassen sich jedoch keine grundsätzlichen Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Waldbäume von den hohen Schadstoffbelastungen der letzten Jahrzehnte finden. Die labile Phase, in der sich die meisten Waldökosysteme unverändert befinden, ist im Wesentlichen auf die Langzeitwirkung der zu hohen atmosphärischen Stickstoff- und Säureeinträge zurückzuführen. Diese Stoffe haben sich im Waldboden und in der aufwachsenden Vegetation stark angereichert. Daher kann man in Nordrhein-Westfalen nicht von einer Trendumkehr sprechen. Besonders die weiter fortschreitende Stickstoffüberfrachtung aus Landwirtschaft und Verkehr und die daraus entstehende Nährstoffverarmung und Versauerung des Waldes, seiner Böden und seiner Gewässer gibt Anlass zur Sorge.
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